Klimaschutz und Energiewende

Im Dialog: Klimaschutz und Energiewende

Unter der Überschrift „Klimaschutz und Energiewende“ fand am 09. März 2020 die letzte von insgesamt vier geplanten Veranstaltungen zum Kennenlernen und zum informativen Austausch statt. Auch dieses Mal wurde der Abend mit einem Impulsvortrag begonnen. Mit Elisabeth Freundl, der stellvertretenden Leiterin der Geschäftsstelle der Energiewende Oberland (kurz: EWO) konnten wir erneut und passend zum Thema eine Expertin auf diesem Gebiet präsentieren. Und dann war da noch die Sache mit der Draisine … dazu aber später!

Elisabeth Freundl

Aktuell ist Halbzeit bei der 2005 gegründeten Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Oberland mit seinen vier Landkreisen auf dem Weg zur vollständigen Energiewende bis 2035 zu unterstützen.

Die seinerzeit gesteckten Ziele (Energiebedarf und -Produktion bilanziert gleich hoch) sind erreichbar, allerdings bedarf es weiterhin eines gehörigen Ausbaus der erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Forcierung von Energieeinsparung und Energieeffizienz. Unterfüttert hat sie diese Behauptung mit Zahlen aus dem kürzlich beendeten Forschungsprojekt INOLA (Innovationen für ein nachhaltiges Land- und Energiemanagement auf regionaler Ebene) , das – unter wissenschaftlicher Leitung der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München und der Energiewende Oberland als Praxispartner – über fünf Jahre Lösungswege erarbeitet hat, wie das Ziel erreicht werden kann und welche Handlungsempfehlungen es gibt. Der Fokus lag dabei auf Strom und Wärme, das Thema Verkehr wurde ausgeschlossen.

Über 80% regenerativer Strom wird tatsächlich bereits im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erzeugt, was aber an den bereits langjährig bestehenden Wasserkraftwerken Walchensee und Sylvenstein liegt (70%). In Geretsried werden bisher nur 7,8% über erneuerbare Energien erzeugt, bei der Wärme sind es sogar nur 2,6%, soweit die Fakten. Politische Rahmenbedingungen, wie Kürzung der EEG-Förderung bei der Photovoltaik oder 10H-Regelung bei der Windkraft verhindern einen weiteren Ausbau, so die Referentin, obwohl das Potenzial für das Oberland da wäre. Die Studie belegt auch, dass 60% der Bevölkerung für Windkraft sind, aber „eben nur theoretisch“ und hier die Aufgabe besteht alle Bürger mitzunehmen. 54% der Dachflächen müssten mit PV-Anlagen belegt werden, um den Strombedarf von Geretsried zu decken, aktuell sind es 6%. Hier bringt die Referentin auch die Möglichkeit der Freiflächen-Anlagen ins Gespräch und betont, dass sich die Landschaft ändern wird. Beim Thema Wärme sieht das Forschungsprojekt die Konzentration auf der Sanierung älterer Häuser und beziffert die grundsätzlich jährlichen Mehrkosten auf 40-86 Euro pro Bürger für eine vollständige Energiewende im Bereich Strom und Wärme. Mit der Problematik des Fachkräftemangels und der Notwendigkeit des gesellschaftlichen Wandels endete der Impulsvortag der EWO-Mitarbeiterin.

In der anschließenden Diskussion wurde zwar ein grundsätzliches Engagement der Stadt Geretsried bestätigt, aber auch deutlich gemacht, dass es auf der einen Seite noch sehr viel zu tun gibt, auf der anderen Seite aber auch entsprechende Möglichkeiten vorhanden sind. Hier sehe ich einen wichtigen und schnellen Handlungsbedarf. Mit einem vorliegenden politischen Mandat werde ich mich dafür einsetzen, dass notwendige Vorgaben bei der Bauleitplanung Eingang finden und darüber hinaus werde ich die direkte Nähe zum Bürger nutzen, um umfangreiche Aufklärungsarbeit zu leisten.

Eine Bürgerin wunderte sich, dass der Bauausschuss bei einer Nachfrage nicht wusste, welche Dämmung im PulsG-Gebäude eingesetzt wurde und von anderer Seite kam der Vorschlag die PR-Plätze für die neuen S7-Bahnhöfe mit Solar-Dächern auszustatten. Ein anderer Bürger wollte wissen, wie der wissenschaftliche Stand bei der Strahlungsbelastung der 5G-Masten sei. Hierzu erklärte unser GRÜNEN-Ortsverbandsvorsitzende Michael Kling, dass vom Handy am Ohr deutlich mehr Strahlung beim Menschen ankommt und es aktuell keine echten aussagekräftigen Studien gibt.

Und dann gab es da noch – wie eingangs schon erwähnt – die Idee des „interkommunalen Eisenbahn-Draisinen-Betriebs“ auf dem Industrie- und Gütergleis zwischen Geretsried und Wolfratshausen (Draisine in diesem Kontext: ein von Menschenkraft betriebenes Fahrzeug auf Schienen)! Auf den ersten Blick erscheint es einem möglicherweise weit hergeholt, unpraktikabel, unrealistisch. Auf den zweiten Blick könnte es aber auch genau das Gegenteil sein: Eine tolle Idee, eine mögliche Touristenattraktion, eine „Begegnungsstätte“ mit Einkehrmöglichkeiten zwischendurch. Vielleicht sollte man das einfach mal weiterdenken, um die Ecke sozusagen!!!

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